Samstag, 30. August 2014

Singen, nicht labern!

© RTL

Eine Fernsehen & Co.-TV-Kritik


Shows mit App-Integration im TV haben es momentan aber auch einfach nicht leicht: Erst startet das Quizduell im Ersten in einem einzigen Desaster, dann wird Keep Your Light Shining auf ProSieben zu einem Quoten-Flop - und auch die neue RTL-Castingshow Rising Star konnte den Erwartungen einfach nicht gerecht werden.
Das Konzept von Rising Star ist denkbar einfach: Ein oder mehrere Künstler stehen hinter einer riesigen LED-Wand und bekommen erst dann Sicht auf Jury und Publikum, wenn mehr als 75% aller App-Nutzer für sie abgestimmt haben.

© Screenshot RTL INSIDE-App
Und obwohl die App sehr schlicht gehalten ist, hat sie dennoch ein kleines Manko: Abstimmen für einen Kandidaten kann man nämlich nur dann, wenn man für diesen während seines Vorstellfilmes "eingecheckt" ist. Dabei war es ganz wichtig, dass man über das Display wischte und nicht einfach nur drückte. Das mag jetzt etwas kompliziert klingen - ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass man während der langen Einspielfilme genug Zeit dafür hatte. Irgendwie sah es so aus, als wollte RTL lieber eine ganze Doku-Soap mit seinen Kandidaten drehen und nicht diese Show bzw. dessen Einspieler. Immerhin: Kam dann mal ein "Talent" zu seinem Auftritt, funktionierte die App - und die Wand erhob sich. Auch, wenn man teilweise das Gefühl hatte, dass einige Zuschauer nur für die Kandidaten stimmten, weil sie unbedingt ihr Bild auf der Wand sehen wollten - das gesangliche Niveau war nämlich kaum höher als bei DSDS und Konsorten.

Und wenn ein Kandidat mal unter 75% blieb? Dann wurde er nicht etwa aus dem Studio hinauskatapultiert, sondern zu Tode gelabert - auf Kosten der Nerven des Zuschauers, versteht sich. Nach dem Auftritt des gefloppten Kandidaten wurde nämlich erstmal die Jury auf der LED-Wand hinzugeschalten und durfte ihren Senf dazugeben. Es folgten weitere Dialoge mit dem Moderator, ehe dann schließlich der nächste sinnlos-langweilige Einspielfilm eines Kandidaten kam. Achja, apropros Moderator: Dieser war mit Rainer Maria Jilg ein relativ neues, aber dennoch souveränes Gesicht. Auch die Jury (bestehend aus Sasha, Anastacia, Gentleman und Joy Denalane) verstand etwas von ihrem Fach - und mit Anastacia war obendrein wie in allen RTL-Shows eine blonde Frau dabei, die kein Deutsch beherrscht.

Fazit: Rising Star ist trotz der Interaktivität durch die App-Integration nichts weiter als eine gewöhnliche Casting-Show, bei der die Musik nicht wirklich mehr im Mittelpunkt steht als zum Beispiel bei DSDS. Dennoch sollte man das Potential, das in der Sendung steckt, nicht verschenken - man muss sich einfach nur auf das Wesentliche konzentrieren.

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