Samstag, 15. August 2015

Wenn XXL-Fernsehen langweilig wird

© SAT.1

Eine Fernsehen & Co.-TV-Kritik


Es ist wie eine Krankheit unter deutschen TV-Sendern: Fernsehsendungen, die man gut und gerne in zwei Stunden abhandeln könnte, werden bis ins Unermessliche gestreckt. Gestreckt, bis auch das letzte bisschen Spannung herausgepresst wurde. Ganz nach dem Motto: Wie lange können wir eigentlich senden, bis uns unsere Zuschauer mit der Fernbedienung in der Hand einschlafen?
So geschehen am Freitagabend, als Jochen Schropp zum Auftakt der dritten Promi Big Brother-Staffel in SAT.1 lud.

Eine Auftaktsendung, die leider mehrmals zu einem echten Déjà-vu-Erlebnis wurde. Denn um seine Zuschauer nicht allzu sehr zu überfordern, hat man sich bei SAT.1 keinen großen Kopf gemacht und kurzerhand die Show des vergangenen Jahres abgepaust - was bei der gestiegenen Länge auf knapp vier Stunden aber nicht unbedingt eine gute Idee war...

Zumindest war es erstmal ein kluger Schachzug von SAT.1, Kandidatin Désirée Nick direkt am Anfang in das Haus zu schicken. Die hatte im Gegensatz zu Claudia Effenberg im vergangenen Jahr nämlich ein paar Gags auf Kosten ihrer Mitbewohner ("Sieht ja aus wie im Balkan-Puff hier. Na, da wird sich der Ammer ja gleich wie zuhause fühlen.") einstudiert. Das kann man durchaus lächerlich finden - am Ende war es aber doch deutlich lustiger als das, was Jochen Schropp und Cindy aus Marzahn im Rest der zu diesem Zeitpunkt noch 3,5 Stunden andauernden Sendung so erzählten.

Und eben dieser Rest der Sendung war dann leider auch so ziemlich eine 1:1-Kopie der Auftaktshow des letzten Jahres. Sechs weitere Bewohner zogen live in den oberen Bereich des Hauses ein, der Einzug der fünf restlichen fand bereits vor zwei Tagen statt und wurde in der Sendung dann im Zusammenschnitt gezeigt. Und das tatsächlich so lange, dass man - wie letztes Jahr ebenfalls - zwischenzeitlich dachte, die Kandidaten oben wären schon längst wieder ausgezogen.
Soweit, so bekannt. An dieser Stelle merkte man deutlich, wie langweilig das für deutsche TV-Sender mittlerweile alltägliche XXL-Fernsehen doch sein kann. Ich meine, die Motivation dafür ist klar: Warum nur zwei Stunden senden, wenn die Werbebuchungen auch für vier reichen? Warum mit der Sendung aufhören, wenn man die Zuschauer auch noch mit in die nächste Stunde nehmen kann (und gerade die Marktanteile steigen ja, je später der Abend wird)? Ob das nun der Dramaturgie oder Spannung schadet, ist doch egal, solange die Quoten stimmen.

Aber jetzt mal ganz im Ernst, SAT.1: Wäre es nicht doch besser gewesen, mal ein bisschen was Neues zu versuchen, anstatt exakt den Ablauf des letztes Jahres herunterzuspulen? Hätte man die Sendung nicht wenigstens ein bisschen spannender machen können, wenn man schon unbedingt knapp vier Stunden lang senden will?
Schade, dass man es nicht gemacht hat. Denn schließlich hat man ja im letzten Jahr gesehen, wie gut eine Sendung werden kann, wenn sie nur genug Neuerungen und Überraschungen bereithält. Die zweite Staffel unterschied sich massiv von der ersten. Ok, nun war die erste Staffel quotenmäßig auch nicht so der Renner. Vielleicht hatte man auch einfach Angst, das relativ erfolgreiche Konzept der letzten Staffel mit zu vielen Neuerungen kaputt zu machen.

Doch halt! Um 23:15 Uhr, also exakt zum eigentlich geplanten Ende der Sendung, war man dann doch noch für eine Neuerung gut. In diesem Jahr nämlich müssen sich auch die Bewohner oben ihr Essen erst erspielen. Und zwar in einer eigens eingerichteten Duell-Arena, die man auf halber Höhe zwischen den beiden Bereichen eingebaut hat. Doch auch hier hat man den Zuschauern am späten Abend wohl nicht mehr allzu viel Konzentration zugetraut: Das Duell bestand darin, Käse auf Mausefallen zu legen, ohne das diese zuschnappen. Klingt unspannend? War es auch. Vielleicht hätte man zum geplanten Ende der Sendung dann doch schlussmachen sollen.

Zum tatsächlichen Ende der Sendung, um 23:55 Uhr, gab es dann noch etwas Vorhersehbares zu verkünden: Désirée Nick, die erste Bewohnerin, die oben eingezogen ist, musste auch als erste von dort in den Keller. Ihren Einzug sehen wir dann morgen - in einer Sendung, die glücklicherweise nur eine Stunde dauern wird, und sich damit hoffentlich mehr auf das Wesentliche beschränken kann...

Fazit: Man kann eine Sendung eben auch zu lang strecken. Mit Promi Big Brother sind wir jetzt dort, wo wir vor genau einem Jahr waren: Wir haben einen Bereich oben, einen Bereich unten und zwölf Kandidaten. Nun hängt es von der Gruppendynamik ab, wie spannend die nächsten beiden Wochen werden.

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