Mittwoch, 23. September 2015

Big Brother: Wie definiert man "Normalo"?

© sixx

Eine Fernsehen & Co.-TV-Kritik


Gestern Abend war es soweit: Die Normalo-Version der Fernsehshow Big Brother kehrte nach vier Jahren TV-Abstinenz wieder ins deutsche Fernsehen zurück. Ein Artikel darüber, warum das zwar eine gute Sache war, mit Normalos aber nicht mehr so wirklich was zu tun hatte...

Für den Fernsehsender sixx, der seit seiner Entstehung im Jahr 2010 äußerst selten überhaupt eine Sendung live ausgestrahlt hat, ist Big Brother natürlich ein ganz großes Projekt.

Man möchte fast sagen, das größte Projekt in der Geschichte. Und das stellte sixx auch direkt zu Beginn aller Berichterstattungen klar: Diese Staffel würde keine Sparversion werden, hieß es da. Sogar ein eigenes, neues Haus würde es geben; obwohl fast sämtliche Medien anfangs prognostiziert hatten, man verwende sicherlich die Räumlichkeiten der diesjährigen Promi Big Brother-Staffel weiter.

Und das ist auch tatsächlich erstmal das Positive: Man hat sich an diese Versprechungen komplett gehalten. Die Sendung, die am Dienstagabend live ausgestrahlt wurde, war wirklich stimmig und im Gegensatz zur Auftaktshow der diesjährigen Promi Big Brother-Staffel auch dementsprechend abwechslungsreich. Neue Elemente wie die Einführung von Teampartnern oder der Tatsache, dass doch ein Bewohner mehr einzog, machten die Sendung deutlich spannender und interessanter.

Dennoch ist die Staffel mit seinen 92 Tagen die kürzeste aller bisherigen Big Brother-Staffeln in Deutschland. Der Gewinn beträgt "nur" 100.000 Euro. Zum Vergleich: Für lumpige zwei Wochen Promi Big Brother gibt es den gleichen Betrag - und da bekommen die Kandidaten zusätzlich alle eine feste Gage. Vielleicht ist es ein Test von sixx, vielleicht ist es auch einfach weitsichtig gedacht: Bei mittlerweile zwölf Staffeln kann sich ein Format schnell totlaufen. Hält man die Dosis gering, nimmt man diese Gefahr. Nach vier Jahren Pause ist die Voraussetzung dafür natürlich nochmal gesondert gegeben.

Schade ist es da, dass man sich bei einer Sache nicht an das gehalten hat, was man verprach: Dem Cast. Der besteht in dieser Staffel nämlich hauptsächlich aus aufmerksamkeitsgeilen Menschen, die bereits in irgendeiner Form in die Öffentlichkeit getreten sind. Ein regelrechter Shitstorm ist da bereits in den letzten Tagen ausgebrochen, weil Moderator Jochen Bendel letztens in einem Interview noch behauptete, er wünsche sich normale Menschen, die nicht einfach nur ins Fernsehen wollen. Nun, zwischen wünschen und entscheiden liegt dann eben doch ein kleiner Unterschied. Bendel hat zu dem Zeitpunkt sicher noch keine Ahnung von den Kandidaten gehabt - und als Moderator der Sendung bei der Auswahl genauso wenig zu sagen wie wir.

Apropros Jochen Bendel: Sein Moderationsstil wirkte am Dienstagabend dann doch noch etwas befremdlich. Zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, er müsste einem kleinen Kind etwas erklären. Das wird sich in den nächsten Wochen hoffentlich noch legen. Als Person ist er jedenfalls die komplett richtige Besetzung für diese Sendung. Er ist kein aalglatter Moderationsroboter, sondern jemand, dem man wirklich abnimmt, dieses Format zu mögen. Und das sind natürlich ideale Voraussetzungen, eine Sendung authentisch zu moderieren.

Auch die Bewohner, die diesmal relativ schnell nacheinander ins Haus zogen, merkten, dass ihre Gegenüber keine komplett Unbekannten waren. Tja, so ist das eben, wenn man sich in der gleichen Model-Kartei befindet und bereits auf Facebook befreundet ist. Man kennt sich, man schätzt sich - teilweise sogar besser als in den letzten Promi Big Brother-Staffeln, in denen sich die Bewohner fast ausnahmslos erstmal gegenseitig vorstellen mussten. Und da stellt sich dann auch die Frage: Warum durfte Catch the Millionaire-Kandidatin Natalia Osada 2013 ins Promi Big Brother-Haus, wärend Isabell aus der selben Staffel jetzt beim Normalo-Big Brother teilnimmt? Ist der Promi-Anspruch der Zuschauer jetzt in der einen Sendung zu hoch oder die Normalo-Definition in der anderen zu niedrig? Oder dürfen solche C-Promis jetzt an keiner der beiden Versionen teilnehmen? Die Antwort liegt bestimmt irgendwo dazwischen. Was sich Endemol aber dabei gedacht hat, werden wir wohl nie erfahren.

Fazit: Das Normalo-Big Brother als Format funktioniert richtig aufgemacht auch nach vier Jahren noch immer sehr gut. Ob sich der Cast als tatsächlich brauchbar für das Format beweist, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Ausgeschlossen ist das ja definitiv nicht.

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