Dienstag, 3. Mai 2016

Windmaschinen an! Über den Eurovision Song Contest 2016

© EBU
In genau einer Woche steigt in Stockholm das erste Halbfinale des Eurovision Song Contests 2016 - doch bereits gestern haben die ersten Proben in der Globe Arena begonnen. Für mich ist das ein Grund genug, schon mal ein bisschen vorauszublicken und sowohl das Setting bestehend aus der Bühne und dem Green Room als auch die insgesamt 42 Songs näher zu betrachten. Außerdem werde ich in diesem Artikel einen Blick auf die aktuellen Wettquoten und das System der neuen Punkteverteilung werfen, das von der EBU bereits vor längerer Zeit bekanntgegeben wurde. Am Ende folgt noch ein TV-Planer mit den genauen Sendeterminen der einzelnen Ausgaben im Fernsehen.

Die Bühne, die bereits seit einigen Tagen für die Proben aufgebaut in der Stockholmer Globe Arena steht, ähnelt ein wenig der, die 2014 in Dänemark verwendet wurde. Besonders zu beachten sind die vielen LED-Wände im Hintergrund und der starke Einsatz von Lichteffekten. Mir persönlich gefällt das sehr gut - aber so richtig kann man es natürlich erst beurteilen, wenn man die Verbindung mit den Auftritten sieht. Im Gegensatz dazu hat der Green Room mit seinen grauen Sofas dann doch etwas zu sehr den Charme einer unbequemen IKEA-Ausstellungsecke. Vor allem, wenn man ihn mit dem aus dem letzten Jahr vergleicht.

Die 42 Songs dieses Jahres empfinde ich als ziemlich ausgeglichen. Es gibt nicht - wie in den Vorjahren - diesen einen Song, der für mich den eindeutigen Favoriten darstellt. Dafür sind so einige qualitativ sehr stark. Besonders überrascht hat mich dabei die Big Five, die nach dem Ausfall im letzten Jahr (vier der fünf für das Finale vorqualifizierten Länder landeten auf den Plätzen 21, 24, 25 & 27) diesmal Songs abgeliefert hat, die zumindest meines Erachtens nach allesamt bessere Platzierungen verdient hätten.
Es folgt also meine Wunschplatzierung, d.h. die zehn Länder, an die ich absteigend 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Punkt/e vergeben würde. Deutschland habe ich in diese Rangliste nicht einbezogen, da man beim ESC ja eben auch nicht für sein eigenes Land stimmen kann. Ich würde dem Song aber durchaus einen Platz in der Top 10 zutrauen.

  1. Frankreich: Amir – J’ai cherché
  2. Spanien: Barei – Say Yay!
  3. Aserbaidschan: Samra – Miracle
  4. Bulgarien: Poli Genova If Love Was A Crime
  5. Belgien: Laura Tesoro – What’s The Pressure
  6. Italien: Francesca Michielin No Degree Of Separation
  7. Russland: Sergey Lazarev – You Are The Only One
  8. Estland: Jüri Pootsmann Play
  9. Australien: Dami Im Sound Of Silence
  10. Finnland: Sandhja Sing It Away
Im erweiterten Kreis sehe ich u.a. die Songs aus Dänemark, Island, Litauen, Ungarn und Zypern. Als Pinkelpausen hingegen eingeplant habe ich Albanien, Georgien, Griechenland, Mazedonien und Montenegro. Der Trash-Beitrag (also der Song, der zwar schlecht ist, aber meiner Meinung nach auch so skurril, dass man ihn sich trotzdem ansehen sollte) kommt in diesem Jahr aus San Marino - und das, obwohl Ralph Siegel zum ersten Mal seit vier Jahren nicht mehr daran beteiligt war.

Da das alles aber nur meinem persönlichen Geschmack entspricht und ganz sicher nicht so eintreten wird, habe ich mir auch mal die aktuellen Wettquoten angesehen. Die kann man jederzeit hier verfolgen. Momentan sehen sie so aus:
  1. Russland
  2. Frankreich
  3. Schweden
  4. Australien
  5. Bulgarien
  6. Malta
  7. Armenien
  8. Ukraine
  9. Serbien
  10. Italien
Verfolgerfeld: Lettland, Niederlande, Polen, Spanien, Tschechien

Ergänzend dazu sei zu sagen, dass diese Wettquoten natürlich nicht die persönlichen Vorlieben der Tipper widerspiegeln, sondern lediglich die Songs, von denen die meisten denken, dass sie die Masse begeistern werden.

Deutschland befindet sich dort derzeit auf dem 21. Platz - was zugegebenermaßen keine so gute Platzierung darstellt, wenn man bedenkt, dass wir als Mitglied der Big Five ja so oder so unter die ersten 26 Teilnehmer kommen. Eines ist aber schon jetzt klar: Durch das neue Punktesystem ist es so gut wie unmöglich, am Ende mit null Punkten dazustehen. So schlecht wie letztes Jahr werden wir also definitiv nicht abschneiden.

Apropros neues Punktesystem: Bereits bekannt ist ja, dass das Jury- und Televoting eines Landes vor der Punktevergabe künftig nicht mehr addiert wird. Somit vergibt jedes Land nun zweimal zwölf Punkte - davon einmal die Juroren, einmal die Zuschauer. Bei den Schalten zu den Punktesprechern werden dann nur noch die zwölf Punkte von der Jury verkündet, und die restlichen Jurypunkte werden eingeblendet. Ähnlich macht man es auch bei der neuen Verkündung des Televotings: Die 16 Länder, die die wenigsten Punkte von den Zuschauern erhalten haben, werden mit ihren erhaltenen Punkten eingeblendet. Danach verkünden die Moderatoren aufsteigend die zehn Länder mit den meisten Televotingstimmen - eben so, dass am Ende das Land genannt wird, was den Wettbewerb gewonnen hat. Letztes Jahr zum Beispiel hat die Punktevergabe nämlich dazu geführt, dass das Siegerland bereits uneinholbar vorn lag, als noch drei Länder ihre Punkte zu vergeben hatten. Das möchte man in Zukunft verhindern.

Für mich hat dieses System zwei Kritikpunkte: Erstens wird durch die Tatsache, dass die Punktesprecher nur noch die Bestwertung durchgeben, das Voting in meinen Augen unnötig verkürzt und so die Spannung geraubt. Abgesehen davon, dass in der kurzen Zeit, die man für die Verlesung von einmal zwölf Punkten braucht, vermutlich auch niemand die eingeblendeten Punkte an die anderen Länder ernsthaft fassen kann. Zweitens fände ich es deutlich sinnvoller, die Televotingstimmen von den Punktesprechern verkünden zu lassen und die Jurystimmen von den Moderatoren. Einfach aus dem Grund, weil die Länderaufteilung für mich dort viel interessanter ist als beim Juryvoting. Und um ehrlich zu sein hat es mich in den vergangenen Jahren auch nie gestört, dass der Sieger vielleicht ein paar Länder zu früh feststand. Aber wir werden sehen, wie sich das neue System in der Praxis macht.

Abschließend präsentiere ich hier noch den TV-Planer mit den einzelnen Sendungen und deren Ausstrahlungsterminen im deutschen Fernsehen oder Internet:

Eurovision Song Contest 2016 Eröffnungszeremonie:

Eurovision Song Contest 2016 Songcheck:
  • 1. Teil: Montag, 09. Mai 2016 um 18:30 Uhr auf einsfestival
  • 2. Teil: Dienstag, 10. Mai 2016 um 18:30 Uhr auf einsfestival
  • 3. Teil: Mittwoch, 11. Mai 2016 um 18:30 Uhr auf einsfestival
  • 4. Teil: Donnerstag, 12. Mai 2016 um 18:30 Uhr auf einsfestival

Eurovision Song Contest 2016 1. Halbfinale:
  • Dienstag, 10. Mai 2016 um 21:00 Uhr auf phoenix
  • Dienstag, 10. Mai 2016 um 21:00 Uhr auf einsfestival (mit eingeblendeten Tweets)

Eurovision Song Contest 2016 42 Videos für Schweden:
  • Mittwoch, 11. Mai 2016 um 21:00 auf einsfestival

Eurovision Song Contest 2016 2. Halbfinale:
  • Donnerstag. 12. Mai 2016 um 21:00 Uhr auf phoenix
  • Donnerstag, 12. Mai 2016 um 21:00 Uhr auf einsfestival (mit eingeblendeten Tweets)

Eurovision Song Contest 2016 Countdown für Stockholm:
  • Samstag, 14. Mai 2016 um 20:15 Uhr im Ersten
  • Samstag, 14. Mai 2016 um 20:15 Uhr auf einsfestival (mit eingeblendeten Tweets)

Eurovision Song Contest 2016 Finale:
  • Samstag, 14. Mai 2016 um 21:00 Uhr im Ersten
  • Samstag, 14. Mai 2016 um 21:00 Uhr auf einsfestival (mit eingeblendeten Tweets)
  • Wiederholung: Sonntag, 15. Mai 2016 um 01:30 Uhr auf phoenix
  • Wiederholung: Sonntag. 15. Mai 2016 um 08:15 Uhr auf einsfestival

Eurovision Song Contest 2016 Grand Prix Party:
  • Sonntag, 15. Mai 2016 um 00:30 Uhr im Ersten
  • Sonntag, 15. Mai 2016 um 00:30 Uhr auf einsfestival (mit eingeblendeten Tweets)

Die Halbfinale und das Finale werden von mir selbstverständlich via Twitter kommentiert. Zum Finale wird es auf diesem Blog auch wieder wie in den Vorjahren ein Bullshit-Bingo geben.

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